Seitenzahlen verweisen auf: Karl Marx - Friedrich Engels - Werke, Band 9, S. 519-526
Dietz Verlag, Berlin/DDR 1960
Aus dem Englischen.
["New-York Daily Tribune" Nr. 3948 vom 12. Dezember 1853]
"Aber" sagt die "Times", "das konstitutionelle Piemont soll dasselbe Schicksal wie Rom, Neapel und die Lombardei erleiden!"
"die gesamten Ausgaben der zur Corporation of London gehörenden Einrichtungen viel größer sind als die gesamten Ausgaben der Bundesregierung der Vereinigten Staaten oder, was vielleicht eine noch erstaunlichere Feststellung ist, daß ihre für sich selbst verwandten Ausgaben beim Verwalten der Fonds der Corporation größer sind als die Gesamtsumme der Einnahmen, die sie aus Mieten, Zöllen und Gebühren von Pfandleihern erhält".
"den gegenwärtigen Wählern faktisch das Wahlrecht entzogen würde, weil die neuzugelassene Klasse alle andern zusammengenommen zahlenmäßig bei weitem überflügeln würde und nur einmütig zu handeln brauchte, um die Übermacht zu haben".
"1. Dieses Meeting ist in Anbetracht der Zwecklosigkeit von Einzelkämpfen isolierter Gruppen von Arbeitern für einen gerechten Lohn und für die Emanzipation der Arbeit der Meinung, daß die Zeit gekommen ist, wo eine gemeinsame Massenbewegung der Arbeiterklasse, gestützt auf eine nationale Organisation und geführt von einer leitenden Körperschaft, allein imstande ist, den jeder Beschäftigung beraubten, strei
kenden Arbeitern ausreichende Unterstützung zu geben und die Arbeiter zu befähigen, sich in der Zukunft von der Knechtschaft des Kapitals zu befreien. Sie ist fernerhin der Meinung, daß die Massenbewegung des Volkes und die nationale Organisation nicht dazu bestimmt sind und es ihnen auch nicht gestattet sein soll, in die Arbeit der gegenwärtigen Trade-Unions und Vereinigungen der Arbeiter einzugreifen, sondern daß ihr Handeln darin bestehen soll, die Stärke aller und der ganzen Masse der Arbeiter zu zentralisieren, zu konzentrieren und zu vereinigen.
2. Um die oben angeführte Resolution zu verwirklichen, ist es unumgänglich notwendig, daß so schnell wie möglich ein Arbeiterparlament zusammentritt. Dieses Parlament soll aus Delegierten bestehen, die von den in öffentlichen Meetings versammelten Arbeitern einer jeden Stadt gewählt werden. Die Aufgabe dieses Parlaments soll darin bestehen, Maßnahmen einzuleiten, um den Menschen, die jetzt im Streik stehen oder von den Fabrikanten ausgesperrt sind, Unterstützung geben zu können, und zwar dadurch, daß eine nationale Geldsammlung der umfassendsten Art durchgeführt wird. Ferner ist ein genauer Plan zu entwerfen, wie die arbeitenden Klassen in ihrem Kampf gegen die Unternehmer zu Werke gehen sollen, und sind die Mittel vorzuschlagen, wie die Arbeit von der ungebührlichen Abhängigkeit vom Kapital frei werde, unabhängig, selbständig und lohnend, ohne daß Streiks nötig sind.
3, Das heutige Meeting wählt zu dem obigen Zweck ein Komitee, um mit den verschiedenen Städten und Distrikten in Korrespondenz zu treten für alle notwendigen Vorbereitungen zur Einberufung des Arbeiterparlaments und um die notwendigen Einzelheiten für die Sitzungen der Delegierten, wie auch ein Geschäftsprogramm, fest zusetzen und zu veröffentlichen."
"Der Unternehmer sagt in der Londoner 'Times', daß euch seine Profite nichts angehen, Ihr habt nur eure eigenen Köpfe zu zählen, nicht aber seine Profite. Wenn da viele Köpfe sind, so werdet ihr, obgleich ihr mehr haben wollt, weniger erhalten. Und das nennt er das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Das allein sollte eure Löhne regulieren, sagt er. Aber ist dem so? Nein! Wenn ihr keine Lohnerhöhung fordern sollt, während seine Profite hoch sind, so soll er nicht eure Löhne drücken, wenn seine Profite niedriger werden. Dann aber wird er euch sagen, auch wenn nicht ein Mann weniger beschäftigt sein mag -, das Geschäft ist schlecht, die Zeiten sind schwer, meine Profite sind kleiner geworden - ich kann es mir nicht mehr leisten, euch die gleichen Löhne zu zahlen. Es ist also nicht das Gesetz von Angebot und Nachfrage, das eure Arbeit reguliert, sondern das Gesetz des teuren Kattuns und der kleinen Profite. Das Gesetz vom Angebot mag wahr sein, aber das Gesetz des Lebens ist wahrer. Das Gesetz der Nachfrage mag stark sein, aber das Gesetz des Hungers ist noch stärker! Wir sagen, wenn die eine Form des Kapitals, nämlich das Geld, das Recht auf Profite hat, dann hat die andere Form des Kapitals, nämlich die Arbeit, ebenso ein Recht darauf. Die Arbeit hat sogar ein größeres Recht darauf, weil Arbeit Geld schafft und nicht Geld Arbeit. Was ist Profit? Das Kapital, das übrigbleibt nach Abzug aller Produktions
kosten. Der Arbeitslohn, den ihr bisher erhalten habt, ist nur ein Teil der Produktionskosten. Das, was gerade noch Körper und Seele zusammenhält, ist überhaupt keine Entlohnung für die Plackerei. Es sind gerade die notwendigen Kosten, um die menschliche Maschine arbeitsfähig zu erhalten. Ihr müßt einen Überschuß über die Produktionskosten - nämlich Nahrung und Behausung der Maschine aus Fleisch und Blut - hinaus haben. Ihr braucht genau so Nahrung für Herz und Hirn wie für Mund und Magen. Der Unternehmer fürchtet, ihr könntet mehr Lohn erhalten; nicht etwa, weil er es sich nicht leisten kann, ihn zu zahlen, denn sein Kapital ist in den letzten sieben Jahren um mehr als 100% angewachsen, und ihr fordert nur 10% von seinen 100% für eure Arbeit. Er fürchtet, wenn ihr höhere Löhne bekommt, so würdet ihr euch unabhängig machen; er fürchtet, höhere Löhne würden bessere Schulbildung ermöglichen; er fürchtet, ein aufgeklärtes Volk wird nicht länger Sklave sein; er fürchtet, daß ihr höhere Löhne bekommt, weil er weiß, ihr würdet euch dann nicht länger darein fügen, so viele Stunden zu arbeiten; er fürchtet, ihr würdet dann nicht länger dulden, daß sich eure Frauen in der Fabrikhölle abschinden; er fürchtet, daß ihr dann eure Kinder anstatt in die Fabrik - in die Schule schicken würdet; er fürchtet, daß ihr höhere Löhne bekommt, weil er weiß, wenn die Frau zu Hause, das Kind in der Schule und der Arbeitstag in der Fabrik kürzer wären, daß dann die überschüssigen Arbeitskräfte, die jetzt die Löhne drücken, sich seiner Kontrolle entziehen würden, und daß die Arbeit zu einer unbezahlbaren Perle werden würde, die das Diadem menschlicher Freiheit schmückt. Aber die Frage hat wieder einmal ihren Aspekt geändert; es geht nicht mehr darum, einen Anteil aus dem Profit des Unternehmers zu erhalten oder eine Lohnerhöhung von 10%; es geht darum, zu verhindern, daß der Lohn um 20% gesenkt wird. Ob gutes Geschäft oder schlechtes Geschäft, ist für die Kapitalisten nur von geringer Bedeutung; in dem einen Falle plündern sie das Volk im Ausland - in dem andern plündern sie es im eigenen Lande. Die Frage ändert sich rapide für euch: es geht nicht mehr um niedrigere oder höhere Löhne, es geht um Leben oder Hungers sterben, um ein Leben in der Fabrikhölle oder den Tod vor den Fabriktoren. Die Kapitalisten, die Kosaken des Westens, überquerten zuerst die Donau der Arbeiterrechte; sie haben das vom Gold diktierte Kriegsrecht verkündet und schleudern aus den Batterien des Monopols den Hungertod in unsere Reihen. Eine Stadt nach der andern wird in den Belagerungszustand versetzt. Die Arbeitslosigkeit wirft die Gräben auf, der Hunger erstürmt die Zitadelle der Arbeit, die Artillerie der Not schießt in die Reihen der Arbeiter. Mit jedem Tag breitet sich die große Vereinigung der Kapitalisten mehr aus; mit jedem Tag mehr ergreift ihre Bewegung das ganze Land. Seid ihr soweit, daß ihr euch ihnen entgegenstellen könnt? In eurer Bewegung herrschen Chaos und Verwirrung. Da die Aussperrung sich ausbreitet und euer isoliertes Handeln anhält, werdet ihr gegenseitig in des andern Gehege wildern; die Geldsammler des einen Orts werden mit denen eines andern Orts an ein und derselben Stelle zusammentreffen. - Ihr werdet euch als Feinde gegenüberstehen, wo ihr euch als Verbündete die Hände reichen solltet. - Ihr werdet eure gegenseitige Hilfe schwächen, während ihr doch einander helfen solltet, eure Schwäche zu überwinden. Die Kohlengräber von Wigan waren gar nicht weit entfernt von Preston, von Stockport, von
Manchester, von Oldham, und doch erlitten sie eine Niederlage, weil man sie ohne Hilfe ließ. Die Fabrikarbeiter von Wigan stehen ebenfalls im Streik. Was mögen sie sagen zu der Niederlage ihrer Brüder, der Bergleute? Sie meinen, daß jene noch gut davongekommen sind. Sie können nicht anders - weil sie sich gegenseitig im Wege sind. Aber warum ist dem so? Weil ihr eure Bewegung in den engen Rahmen eines Berufs, eines Distrikts und eines Interesses zwängt. Die Bewegung eurer Unternehmer nimmt nationalen Umfang an; auch euer Widerstand muß nationalen Umfang annehmen. Wenn ihr so weiter macht, erwarten euch Anarchie und Untergang. Glaubt nicht, daß ich die Klugheit, die Führung und die Integrität der Trade-Union antaste.
Aber das Gängelband, das das Kind stützt, wird zum Klotz am Bein des Mannes. Die Isolierung, die sich in der Kindheit der Arbeiterbewegung bewährte, bringt ihr Untergang in ihrem Mannesalter. Laßt alle Berufe vertreten sein, deren Unterstützung ihr braucht. Legt die Sache der Arbeit nicht in die Hände einer Fabrik oder einer Stadt oder sogar eines Distrikts, sondern in die Hände eines Arbeiterparlaments."