Seitenzahlen verweisen auf: Karl Marx - Friedrich Engels - Werke, Band 9, S. 428-432
Dietz Verlag, Berlin/DDR 1960
Aus dem Englischen.
["New-York Daily Tribune" Nr. 3912 vom 31. Oktober 1853]
"Wir haben Ursache, anzunehmen, daß man heute in Paris und London bereits das offizielle Ansuchen der Hohen Pforte um Beistandleistung durch Frankreich und England erhalten hat."
"Einer sehr umfangreichen Korrespondenz, die mit jeder nur erdenklichen Mühe geführt wurde, um den wirklichen Sachverhalt festzustellen, entnehmen wir, daß die Weizenernte in Frankreich um ein volles Drittel zurückgeblieben ist, dabei variierend entsprechend den Bezirken und mit dem größten Ausfall im Süden. Allerdings haben sich unter dem Einfluß der Regierung stehende Journale bemüht, die Öffentlichkeit zu beschwichtigen, daß das nicht der Fall sei, aber gerade die von der Regierung durchgeführten Maßnahmen sind eine ausreichende Widerlegung solcher Versicherungen. Als erstes lockerte sie die Schiffahrtsgesetze im Interesse Englands, um sie dann ganz und gar aufzuheben. Als nächstes zog sie die Herabsetzung der Zölle in Erwägung, was die gleitende Skala von selbst reguliert hätte, legte Minimalzollsätze fest (ohne die Aufteilung in Distrikte mit verschiedenen Zollsätzen zu berücksichtigen, wie es in Frankreich der Fall ist) und öffnete die Häfen den ausländischen Schiffen für den freien Handel ohne Tonnagegebühren. Sie hat seitdem alle Flüsse und Kanäle zur freien Benutzung für Getreideschiffe geöffnet und die Eisenbahnen dazu aufgefordert, die Lebensmittel zu gesenkten Frachtsätzen zu befördern. Sie hat Algerien geöffnet und den algerischen Schiffen zugestanden, Frankreich mit jeder Tonnage gebührenfrei anzulaufen; sie hat die Ausfuhr von Kartoffeln und Gemüse verboten und hat nicht gezögert, auf vielen Märkten willkürlich auf das Verhältnis zwischen Käufern und Verkäufern einzuwirken. Sicherlich bestätigt all das eine schwache Ernte, oder es handelt sich um sehr überflüssige Vorsichtsmaßnahmen. Der Handel in Frankreich ist jedoch seit einiger Zeit in einem Zustand der Spannung; nicht daß die Kaufleute im ganzen Kaiserreich irgendwelche Zweifel hinsichtlich des Ergebnisses der Ernte haben, aber der falsche Schritt, den die Regierung bezüglich der Festsetzung des Brotpreises eingeschlagen hat, hat sie so verwirrt, daß sie fürchten, Geschäfte abzuschließen. Es ist allgemein bekannt, daß sofort nach Erlaß des entsprechenden Dekrets Telegramme nach allen Richtungen gesandt wurden, um die für Getreide gegebenen Aufträge zu annullieren, und es ist unmöglich abzuschätzen, welche Auswirkungen diese Regierungsmaßnahme auf die Preise im Endergebnis haben wird. Die durchschnittliche Weizenproduktion in Frankreich wird auf 80 Millionen Hektoliter (ungefähr 28 Millionen Quarter) geschätzt, dabei war die Höchstproduktion während der letzten
25 Jahre 97 Millionen Hektoliter im Jahre 1847 und die niedrigste 52 Millionen im Jahre 1830. Der Anbau von Weizen hat in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen, verhältnismäßig sogar viel schneller als die Bevölkerung. Die Tatsache, daß die Vorräte gegenwärtig völlig erschöpft sind, zeigt, daß die Bevölkerung viel besser ernährt worden ist und in besseren Verhältnissen lebt, als es früher der Fall war.
Die folgende Tabelle soll die Zunahme der Bevölkerung und der Produktion während der letzten 25 Jahre zeigen:
Das Anwachsen der Konsumtion im Verhältnis zum Anwachsen der Bevölkerung wird dazu führen, daß die Auswirkungen einer schlechten Ernte stärker gefühlt werden, da alte Vorräte fehlen, auf die zurückgegriffen werden könnte, und natürlich keine Vorräte ausländischen Getreides in den Speichern vorhanden sind."