Seitenzahlen verweisen auf: Karl Marx - Friedrich Engels - Werke, Band 5, S. 260-261
Dietz Verlag, Berlin/DDR 1971
Die Turiner "Concordia"
["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 55 vom 25. Juli 1848]
*Köln, 23. Juli. Kürzlich
erwähnten wir des in Florenz erscheinenden Blattes "L'Alba" <Siehe "Auswärtige deutsche Politik", S. 156>, das uns brüderlich
die Hand über die Alpen hinüherreichte. Es war zu erwarten, daß ein anderes
Journal, "La Concordia" in Turin, ein Blatt von entgegengesetzter Farbe, sich auch in
entgegengesetzter, wenn auch keineswegs feindseliger Weise erklären werde. In einer
frühern Nummer meinte "La Concordia", die "Neue Rheinische Zeitung" nehme sich jeder
Partei an, wofern sie nur "unterdrückt" sei. Zu dieser wenig sinnreichen Erfindung
verhalf ihr unsere Beurteilung der Prager Ereignisse, unsere Teilnahme für die
demokratische Partei gegen den reaktionären Windischgrätz et Comp. <Siehe "Der Prager Aufstand" und "Demokratischer Charakter
des Aufstandes"> Vielleicht ist das Turiner Journal über die sogenannte
tschechische Bewegung inzwischen klarer geworden.
Neuerdings sieht sich jedoch "La Concordia" veranlaßt, der "Nuova Gazzetta Renana"
<"Neuen Rheinischen Zeitung"> einen mehr oder minder doktrinären Artikel zu widmen.
Sie hatte in unserm Blatt das Programm für den nach Berlin berufenen Arbeiterkongreß
gelesen, und die acht von den Arbeitern zu diskutierenden Punkte machen ihr bedeutende
Unruhe.
Nachdem sie das Ganze getreulich übersetzt, beginnt sie eine Art von Kritik mit
folgenden Worten:
"In diesen Vorschlägen gibt es viel Wahres und Gerechtes, allein die
'Concordia' würde an ihrer Mission einen Verrat begehen, wenn sie nicht ihre Stimme gegen
die Irrtümer der Sozialisten erhöbe."
Wir unsererseits erheben uns gegen den "Irrtum" der
"Concordia", welcher darin besteht, das von der betreffenden Kommission für den
Arbeiterkongreß aufgestellte und von uns nur mitgeteilte Programm für unser
eignes zu versehen. Gleichwohl sind wir bereit, uns mit der "Concordia" auf eine
nationalökonomische Diskussion einzulassen, sobald ihr Programm etwas mehr als einige
bekannte philanthropische Redensarten und aufgegriffene Freihandelsdogmen bieten wird.