Seitenzahlen verweisen auf: Karl Marx/Friedrich Engels - Werke, (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Band 15, 4. Auflage 1972, unveränderter Nachdruck der 1. Auflage 1961, Berlin/DDR. S. 318-323.
Aus dem Englischen.
["New-York Daily Tribune" Nr. 6411 vom 21. Oktober 1861]
"In einem Punkt geben wir offen zu, daß die Nordstaatler ein Recht haben, sich zu beklagen, und in einem Punkt sind wir auch verpflichtet, mehr auf der Hut zu sein, als wir es vielleicht übereinstimmend gewesen sind. Unsere führenden Presseorgane waren nur zu bereit, Zeitungen zu zitieren und sie anzusehen, als verkörperten sie die Gefühle und repräsentierten den Standpunkt der Vereinigten Staaten; Zeitungen, die wegen ihres schimpflichen Charakters und ihres geringen Einflusses allzeit berüchtigt waren und jetzt mehr als verdächtig sind, im Innern Sezessionisten zu sein, unter falscher Flagge zu segeln und einen extrem nordstaatlichen Standpunkt vorzugeben, während sie im Interesse und wahrscheinlich im Sold des Südens schreiben. Wenige Engländer können zum Beispiel mit einiger Ehrlichkeit vorgeben, den 'New-York Herald' als Repräsentanten des Charakters und der Ansichten des nördlichen Teils der Republik anzusehen. Andererseits sollten wir sehr darauf sehen, daß unsere gerechtfertigte Kritik an den Unionisten nicht unmerklich nach und nach in Beifall für die Sezessionisten und in deren Verteidigung ausartet. Die Tendenz zur
Parteinahme ist in den Geistern allgemein sehr stark. Wie entschieden wir auch vieles an dem Verhalten und den Worten des Nordens ablehnen, so dürfen wir doch niemals vergessen, daß die Trennung des Südens mit Absichten erzwungen und mit Mitteln begonnen worden war, die unsere aufrichtigste und tiefste Mißbilligung finden. Wir müssen natürlich den Schutzzoll der Union als eine drückende und törichte Maßnahme verurteilen. Natürlich teilen wir den Wunsch des Südens nach niedrigen Zöllen und unbeschränktem Handel. Natürlich sind wir besorgt, daß die Prosperität der Staaten, die soviel Rohmaterial produzieren und so viele Fertigwaren benötigen, nicht eine Unterbrechung oder einen Rückschlag erleidet. Aber gleichzeitig ist es uns unmöglich, die unbestreitbare Tatsache aus den Augen zu lassen, daß das wirkliche Ziel und letzte Motiv der Sezession
nicht darin bestand, ihr Recht zu verteidigen, auf ihrem eigenen Gebiet Sklaven halten zu dürfen (was die Bewohner der Nordstaaten genau so bereit wären zuzubilligen, wie die des Südens es sind, es zu beanspruchen), sondern die Sklaverei über ein ungeheures, unbestimmtes Gebiet auszudehnen, das bisher von diesem Fluche frei war, aber von dem die Pflanzer behaupteten, daß sie sich später dort gut ausbreiten könnte. Das haben
wir immer als unklug, als unredlich und abscheulich angesehen. Der Zustand der Gesellschaft, der in den Südstaaten durch die Institution der Sklaverei zustande gekommen ist, erscheint den englischen Gemütern abscheulicher und beklagenswerter, je mehr sie davon erfahren. Und den Bewohnern der Südstaaten sollte klargemacht werden, daß kein pekuniärer oder kommerzieller Vorteil, den England aus der Kultivierung größerer Gebiete des jungfräulichen Bodens der Pflanzerstaaten und der neuen Gebiete, die sie beanspruchen, voraussichtlich ziehen könnte, unsere Ansichten über diesen Punkt im geringsten ändern wird oder uns daran hindern kann, unsere Ansichten zu äußern oder unser Eingreifen zu beeinflussen oder zu hemmen, wenn ein Eingreifen notwendig oder wichtig werden sollte. Man nimmt an, daß sie (die Sezessionisten) noch an der merkwürdigen Meinung festhalten, durch
Aushungern Frankreichs und Englands und durch die Verluste und Leiden, die sie sich als Folge der völligen Einstellung der amerikanischen Lieferungen versprechen, diese Regierungen zwingen zu können, zu ihren Gunsten einzugreifen und die Vereinigten Staaten zu zwingen, die Blockade einzustellen ... Es besteht nicht die geringste Chance, daß es eine der beiden Mächte auch nur einen Augenblick für richtig halten würde, einen solchen Akt zweifelloser und gesetzwidriger Feindseligkeit gegen die Vereinigten Staaten zu erwägen ... Wir sind weniger vom Süden abhängig als der Süden es von uns ist, wie man über kurz oder lang entdecken wird. Wir bitten daher den Süden zu glauben, daß die Sklaverei, solange sie existiert, mehr oder weniger eine moralische Barriere zwischen uns errichten wird und daß eine schweigende Zustimmung unserem Denken so fern liegt wie die Unverschämtheit einer offenen Einmischung; Lancashire ist nicht England, und zur Ehre und Gesinnung unserer arbeitenden Bevölkerung sei gesagt, daß, selbst wenn das stimmte,
Baumwolle nicht der König wäre."