Seitenzahlen verweisen auf: Karl Marx/Friedrich Engels - Werke, (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Band 15, 4. Auflage 1972, unveränderter Nachdruck der 1. Auflage 1961, Berlin/DDR. S. 55-59.
Aus dem Englischen.
["New-York Daily Tribune" Nr. 5972 vom 14. Juni 1860]
"Die preußische Heeresreform", so schreibt dieses Blatt, "welche unmittelbar nach dem Frieden von Villafranca eingeleitet wurde, kann schwerlich einem anderen Zwecke dienen, als die Regierung von der direkten Appellation an die Gesamtbevölkerung zu emanzipieren, einem Appell, der bei dem bisherigen Militärsystem immer dann unvermeidlich wurde, wenn die Regierung es für notwendig erachtete, ihre Politik durch kriegerische Demonstrationen zu bekräftigen. Bei den gegenwärtigen politischen Gruppierungen Europas kann ein Staat wie Preußen, welcher noch immer um seine volle Anerkennung als Großmacht zu ringen hat, weder in jedem Falle, wo er die Anwendung seiner Heeresmacht für nötig erachtet, sein ganzes Friedensleben suspendieren, noch in jedem Falle der zu den Waffen gerufenen Nation ein wirkliches Losschlagen garantieren. Es liegt im Landwehrsystem <Landwehrsystem: in der "N.-Y. D. T." deutsch> ein gewisser demokratischer Widerspruch gegen das monarchische Prinzip. Die binnen verhältnismäßig kurzer Zeit zweimalige Mobilisierung von 1850 und 1859, welcher nie eine kriegerische Aktion, sondern bloß die Demobilisierung folgte, schien selbst die Autorität der äußeren Staatspolitik bei einem großen Teil der preußischen Bevölkerung zu beeinträchtigen. Gerade von
den Umständen, die beide Mobilmachungen begleiteten, scheint die Volksmeinung die Schlußfolgerung gezogen zu haben, daß die Regierung bei jeder Anwendung der Militärmacht an die Übereinstimmung des Publikums gebunden sei. Sogar die offiziellen Erläuterungen über Preußens Verhalten zu den italienischen Verwicklungen bringen das Geständnis, daß die Mobilmachung der Landwehr <Landwehr: in der "N.-Y. D. T." deutsch> auf
unerwartete Hindernisse gestoßen sei."