Seitenzahlen verweisen auf: Karl Marx/Friedrich Engels - Werke, (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Band 14, 4. Auflage 1972, unveränderter Nachdruck der 1. Auflage 1961, Berlin/DDR. S. 389-397.
Dies Blatt erlebte nur zwei Nummern. Als man mich später in Frankreich verhaftete, um mich hierher zu senden, wurden mir von der französischen Polizei meine Papiere und Tagebücher mit Beschlag belegt, und ich erinnere mich nicht mehr genau, ob das Blatt durch obrigkeitliches Verbot oder durch Armut zu Grabe getragen wurde.
'Philister’ - sie gehörten den sogenannten Bourgeoisrepublikanern und auch den Reihen der sogenannten kommunistischen Arbeiter an - bezeichneten uns mit dem
Namen 'Schwefelbande'. Mitunter ist es mir, als hatten wir uns selbst diesen Namen beigelegt. Jedenfalls haftete er der Gesellschaft lediglich an in dem gemütlichen deutschen Sinne des Worts. In freundlichster Weise komme ich mit Verbannungsgenossen zusammen, die Freunde des Herrn Vogt, und mit andern, welche die Ihrigen waren und es wahrscheinlich noch sind. Aber ich freue mich, auf keiner Seite je gefunden zu haben, daß man von den Mitgliedern der von mir bezeichneten 'Schwefelbande’, sei es in politischer oder privater Beziehung, mit Mißachtung spricht.
Diese
'Schwefelbande’ ist die einzige, deren Existenz mir bekannt. Sie bestand von 1849 bis 1850 in Genf. Mitte 1850 wurden die wenigen Mitglieder dieser gefährlichen Gesellschaft, da sie zu den auszuweisenden Kategorien der Flüchtlinge gehörten, gezwungen, die Schweiz zu verlassen, mit Ausnahme von
Korn. Somit hatte also das Leben dieser 'Schwefelbande’ sein Ende erreicht. Von andern 'Schwefelbanden’, ob sie an andern Orten und wo und zu welchem Zwecke sie bestanden haben, weiß ich nichts.
Korn blieb, glaube ich, in der Schweiz und soll daselbst als Apotheker ansässig sein.
Cohnheim und
Rosenblum gingen vor der Schlacht bei Idstedt nach Holstein. Ich glaube, sie haben beide an derselben teilgenommen. Später, 1851, segelten sie nach Amerika. Rosenblum kehrte Ende desselben Jahres nach England zurück und ging 1852 nach Australien, von wo ich seit 1855 nichts von ihm gehört.
Cohnheim soll schon seit einiger Zeit Redakteur des 'New-Yorker Humoristen’ sein.
Becker begab sich gleich damals 1850 nach Amerika. Was aus ihm geworden, kann ich leider nicht mit Bestimmtheit sagen.
Ich selbst hielt mich im Winter 1850/1851 in Paris und Straßburg auf und wurde von der französischen Polizei, wie schon oben angedeutet, im Februar 1851 gewaltsam - drei Monate lang schleppte man mich durch 25 Gefängnisse und meistens während des Marsches in schweren eisernen Ketten - nach England verschickt. Hier wohne ich, nachdem ich das erste Jahr zur Eroberung der Sprache verwandt, dem Geschäftsleben gewidmet, nicht ohne stetes und reges Interesse für die politischen Ereignisse in meinem Vaterlande, aber immer frei von jeglichem Treiben politischer Flüchtlingscliquen. Es geht mir nun so leidlich, oder wie der Engländer sagt: very well, sir, thank you <sehr gut mein Herr, danke>. - Es ist Ihre eigne Schuld, wenn Sie durch diese lange, aber jedenfalls nicht sehr wichtige Geschichte zu waden haben.
Mit Achtung verbleibe ich Ihr ganz ergebener
Sigismund L. Borkheim"
Soweit Herrn
Borkheims Brief. Im Vorgefühl ihrer historischen Wichtigkeit ergriff die "Schwefelbande" die Vorsichtsmaßregel, ihr eignes Zivilstandsregister mit Holzschnitten in das Buch der Geschichte einzukeilen.
Die erste Nummer des "Rummeltipuff" ist nämlich mit den Bildnissen seiner Stifter geschmückt.