Seitenzahlen verweisen auf: Karl Marx/Friedrich Engels - Werke, (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Band 13, 7. Auflage 1971, unveränderter Nachdruck der 1. Auflage 1961, Berlin/DDR. S. 316-319.
Aus dem Englischen.
["New-York Daily Tribune" Nr. 5634 vom 12. Mai 1859]
"Einer der Punkte, der beim augenblicklichen Stand der Dinge eine besondere Bemerkung verdient, ist, daß das Publikum der vorgesehenen Anleihe an Rußland entronnen ist. Obwohl die Pläne dieser Macht seit der vorzeitigen Beendigung des Krimkrieges immer sehr durchsichtig gewesen sind, war Rußland infolge des Einflusses unseres 'Verbündeten' und des nachfolgenden Treffens der Kaiser in Stuttgart sicher, daß keinerlei Warnungen, außer völlig unwiderlegbaren Beweisen, ausreichen würden, um zu verhindern, daß es jede gewünschte Summe erhält, wenn sich ein angesehenes Haus bereit fände, die Transaktionen vorzunehmen. Demzufolge wurde von allen interessierten Parteien die gehobenste Stimmung und die größte Zuversicht zum Ausdruck gebracht, als vor ein oder zwei Monaten der Plan herauskam, 12 Millionen Pfd.St. auf zulegen. 'Die englischen Kapitalisten müßten sieh entscheiden!' 'Es würde ihnen nur ein ganz geringer Anteil zur Verfügung stehen!' 'In Berlin und anderswo wären die Leute bereit, die Anteile zu einem Preis zu kaufen, der ein oder zwei Prozent über dem liege, der auf dem Londoner Markt zu erwarten sei.' Unter diesen Umständen bestand wenig Hoffnung, daß ein zur Vorsicht mahnendes Wort Gehör finden würde. Allerdings zeigten weder die Herren Baring noch Rothschild, die gewöhnlich so begierig sind, in diesen Dingen miteinander zu konkurrieren, irgendwelche Bereitwilligkeit, sich damit zu befassen. Es gab auch Berichte über eine geheimnisvolle Konzentration von 100.000 Mann russischer Truppen in Georgien. Es wurde ebenfalls erzählt, der russische Botschafter in Wien <Balabin> habe offen erklärt, daß Kaiser Napoleon ganz recht habe, eine Revision der Verträge von 1815 zu fordern; und schließlich konnte man annehmen, daß die kürzlichen Pläne, den Pariser Vertrag in bezug auf die Donaufürstentümer zu annullieren, die Mittelmeerreise des Großfürsten Konstantin und die hinterhältigen Schritte, mit denen der Friedensmission Lord Cowleys entgegengewirkt
wurde, gewisse Bedenken hervorrufen würden. Doch nichts kann einen optimistischen Engländer beeinflussen, der Geld anlegen will und sein Auge auf etwas geworfen hat, das er als eine Anleihe ansieht, die ihm 5 Prozent bringt, und dessen Verachtung für die Unglückspropheten grenzenlos ist. Deshalb blieben die Hoffnungen der Vertragspartner ungemindert, und tatsächlich fanden noch ein oder zwei Tage vor der Verkündung des österreichischen Ultimatums die letzten Beratungen statt, um alles vorzubereiten, diesen Vorschlag jeden Moment herausbringen zu können. Man rechnete damit, daß die ganze Angelegenheit sich als ein großer Erfolg erweisen würde, sobald die nächsten beruhigenden Versicherungen des französischen 'Moniteur' eintreffen, die die bereits gebrachten unterstützen, daß Frankreich nicht gerüstet habe und nicht zu rüsten beabsichtige. Der 'verbrecherische' Schritt Österreichs jedoch, das nicht wartete, bis seine Gegner alles, was sie brauchten, erreicht hatten, verdarb den ganzen Plan, und die 12 Millionen Pfd.St. werden nun wohl zu Hause bleiben müssen."