Seitenzahlen verweisen auf: Karl Marx/Friedrich Engels - Werke, (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Band 12, Berlin/DDR 1961. S. 512-517.
Geschrieben am 29. Juni 1858.
Aus dem Englischen.
["New-York Daily Tribune" Nr. 5383 vom 23. Juli 1858, Leitartikel]
"Die Indienregierung benötigt zur Verwaltung Indiens mehr Geld, als aus der Bevölkerung Indiens herauszupressen war, obwohl die Regierung keinerlei Skrupel hatte bei der Steuerauflage oder hinsichtlich der Art, in der die Steuern eingezogen wurden. Die Verwaltung Indiens kostete mehr als 30.000.000 Pfd.St., denn das waren die Gesamteinnahmen, und es gab stets ein Defizit, das mit Anleihen zu hohem Zinsfuß ausgeglichen werden mußte. Die indische Schuld beträgt jetzt 60.000.000 Pfd.St. und steigt noch an, während der Kredit der Regierung im Sinken begriffen ist, teils, weil sie ihre Gläubiger bei ein oder zwei Gelegenheiten nicht sehr ehrlich behandelt hat und teils wegen der mißlichen Ereignisse, die sich vor kurzem in Indien zugetragen haben. Ich habe mich auf das Gesamteinkommen bezogen; doch da dieses die Opiumsteuer mit einschließt, die wohl kaum eine Steuer für die indische Bevölkerung ist, möchte ich die wirklich auf ihr lastende Steuer mit 25.000.000 Pfd.St. annehmen. Diese 25.000.000 Pfd. St. dürfen wir nicht mit den 60.000.000 Pfd.St. vergleichen, die in unserem Land aufgebracht werden. Das Haus möge sich daran erinnern, daß es in Indien möglich ist, zwölf Tage Arbeit für dieselbe Menge Gold oder Silber zu kaufen, die man in England als Bezahlung für einen Arbeitstag erhält. Jene 25.000.000 Pfd.St., zum Kauf der Arbeit in Indien aufgewendet, würden so viel Kaufkraft besitzen, wie eine Ausgabe von 300.000.000 Pfd.St. in England. Man kann mir die Frage stellen, wieviel die Arbeit eines Inders wert ist. Nun gut, wenn die Arbeit eines Inders nur den Wert von 2 d. pro Tag besitzt, ist es klar, daß wir nicht von ihm erwarten können, daß er so viel Steuern zahlt, als wenn seine Arbeit 2 sh. wert wäre. Die Bevölkerung Großbritanniens und Irlands zählt 30.000.000 Menschen; in Indien gibt es 150.000.000 Einwohner. Hier bei uns bringen wir 60.000.000 Pfd.St. an Steuer auf, in Indien haben wir, wenn wir nach der Tagesarbeit des indischen Volkes rechnen, 300.000.000 Pfd.St. an Steuereinnahmen oder eine fünfmal größere Steuersumme, als im Mutterland erhoben wird. Angesichts der Tatsache, daß die indische Bevölkerung fünfmal größer ist als die des britischen Empire, könnte jemand sagen, daß die Besteuerung pro Kopf in Indien und England etwa die gleiche ist und daß man daher von keiner großen Härte sprechen kann. Aber in England gibt es einen unschätzbaren Bestand an Maschinen und Dampfkraft, an Transportmitteln und an allem, was Kapital und Erfindergeist dem Fleiß eines Volkes an Hilfe leisten kann. In Indien gibt es nichts dergleichen. Sie haben in ganz Indien kaum eine anständige Straße."
"Obwohl keine orientalischen Eroberer jemals einen so vollkommenen Aufstieg erreicht, so ruhig, so allgemein und so unangefochten Indien in Besitz genommen haben wie wir es getan, so haben sich doch alle an den Steuereinkünften des Landes bereichert, und viele haben aus ihrem Überfluß beträchtliche Summen in Arbeiten an öffentlichen Einrichtungen angelegt ... Uns ist es versagt, das zu tun ... Die Menge der ganzen Last ist keineswegs vermindert" (unter der englischen Herrschaft), "doch haben wir keinen Überschuß."