Seitenzahlen verweisen auf: Karl Marx - Friedrich Engels - Werke, Band 11, S. 303-304
Dietz Verlag, Berlin/DDR 1961
["Neue Oder-Zeitung" Nr. 283 vom 21. Juni 1855]
"Der königliche Zensor behauptet, daß jede Schwäche, jeder Mangel denunziert und oft selbst übertrieben wird mit einer Art von
krankhafter Genugtuung! Die Geduld des englischen Volkes ist sprichwörtlich. Gleich Isaschar mag es verglichen werden mit einem Esel, niedergedrückt unter zwei Lasten - Wucher und Landmonopol; aber dieser Tadel des Prinzengemahls ist der insolenteste und tödlichste Insult, den selbst Engländer zu ertragen haben.
Krankhafte Genugtuung! Das heißt, das englische Volk hätte eine krankhafte Genugtuung in der Betrachtung der fürchterlichen Leiden, denen Verrat und aristokratischer Schwachsinn unsere heroischen Soldaten ausgesetzt haben - krankhafte Genugtuung, von Österreich düpiert worden zu sein - krankhafte Genugtuung in der Verschwendung von 40.000.000 Pfd.St. und dem Verluste von 40.000 der bravsten Krieger - krankhafte Genugtuung, das Mißtrauen des Alliierten, dem wir zu helfen vorgaben, und die Verachtung des Feindes, den wir zu züchtigen
wünschen, hervorgerufen zu haben! Aber die Anklage ist nicht nur insolent und insultierend, sie ist zugleich falsch und verleumderisch im höchsten Grade. Was immer die Fehler des englischen Volkes sein mögen, und der Himmel weiß, sie sind zahlreich, sie schöpfen keine
Genugtuung aus dem Elend ihrer Soldaten und Matrosen und der Schmach, die auf den Charakter der Nation gehäuft worden. Ausnahmen bilden allerdings prinzliche Deutsche, aristokratische Verräter und ihre verabscheuungswürdigen und ekelhaften Parasiten ... Wir sind indes willig zuzugestehen, daß es sehr schwierig ist für einen trägen und fleischigen Sybariten und Federbettsoldaten, etwas von den Leiden und Prüfungen wirklicher Soldaten und Matrosen zu verstehen ... In einem Punkt jedoch stimmen wir mit dem königlichen Krieger überein: Der
Konstitutionalismus ist ein enormer sham <Schwindel> - eine durchaus schwerfällige, stümperhafte, unfügige und nachteilige Regierungsform. Aber der Prinz irrt in seiner Voraussetzung, daß es außer dem Despotismus keine andere Alternative gibt. Wir ersuchen ihn, sich zu erinnern, daß so ein Ding wie der Republikanismus existiert - eine Alternative, zu der diese Nation möglicherweise flüchten kann und in deren Richtung, wie wir glauben, der Strom der öffentlichen Meinung hinstrebt, statt zum unbeschränkten Despotismus, den der martialische Prinz herbeiwünscht."