Seitenzahlen verweisen auf: Karl Marx - Friedrich Engels - Werke, Band 10, S. 527-530
Dietz Verlag, Berlin/DDR 1961
Geschrieben am 5./6. Oktober 1854.
Aus dem Englischen.
["New-York Daily Tribune" Nr. 4215 vom 21. Oktober 1854]
"Von allen Bekanntmachungen und Andeutungen, die seit Beginn des Krieges gemacht worden sind, ist die am vergangenen Sonnabend vom 'Economist' gebrachte vom Standpunkt des russischen Handels bei weitem die wichtigste.
Man muß berücksichtigen, daß diese Wochenzeitschrift Eigentum eines der Sekretäre des Schatzamtes (Herrn Wilsons)
ist, und deshalb können die Bemerkungen, auf die wir die Aufmerksamkeit lenken wollen, als halbamtlich betrachtet werden. Nachdem sie den Wechselkurs in Petersburg erläutert und aufgezeigt hat, daß als Folge unseres Handels mit Preußen dieses Land Rußland notwendigerweise britisches Gold für seine Kriegszwecke zur Verfügung stellen muß; nachdem sie erklärt hat, daß unsere Regierung dies alles vorausgesehen hat, doch einen solchen Stand der Dinge als kleineres Übel betrachtete, fährt der 'Economist' fort, daß nach dem Fall Sewastopols wir in dem ungestörten Besitz des Schwarzen Meeres und seiner Küsten und Herren der Donau sein werden. Doch inzwischen kann Rußland, in der Hoffnung, Englands Geduld auf die Probe zu stellen, eine Stellung beziehen, die wir niemals mit unseren Waffen erreichen können, weil Rußland in einer solchen Stellung nur durch seinen Handel zu greifen ist. Es kann sich die Frage erheben, ob unsere nationalen Interessen nicht über kurz oder lang eine andere Politik diktieren werden, als wir sie bisher verfolgt haben. Wir werden feststellen, daß wir die Häfen vergeblich blockieren, solange unsere Erzeugnisse über Nachbarländer schnellen Absatz finden und solange wir Preußen gestatten, als Vermittler, durch den unsere Blockade der russischen Küsten so einfach umgangen werden kann, soviel zu profitieren, etc. ... Wenn es daher Erwägungen der allgemeinen Politik erforderlich machen sollten, erneut die Frage zu untersuchen, in welchem Ausmaß die Blockade verstärkt und der Handel zu Wasser und zu Lande eingeschränkt werden soll, etc., schließt der 'Economist' mit folgender höchst feierlichen Warnung: 'Es wird für diejenigen, die bereit sind, sich in solche riskanten Unternehmen einzulassen' (die Versorgung der Russen mit Kapital zum Kauf von Waren im Winter, die im nächsten Jahr geliefert werden sollen), 'gut sein, daran zu denken, daß es sich als notwendig erweisen könnte, im zweiten Jahr eines russischen Feldzuges eine ganz andere Politik zu verfolgen als diejenige, die im ersten Jahr die klügste und beste war.'
Wir brauchen kaum darauf hinzuweisen, daß die Schlußfolgerung daraus (und wir empfehlen unseren Freunden ernsthaft, den ganzen Artikel sorgfältig zu beachten) ist, daß die alliierten Mächte beschlossen haben - als den einzigen Weg, den Krieg zum
Abschluß zu bringen -, nächstes Jahr den Überlandhandel zu verbieten; und um zu verhüten, daß die Kapitalisten in einen Handel einsteigen, der dann verboten seien wird, hat die Regierung wohlbedacht einem der Sekretäre des Schatzamtes erlaubt, ihre Absichten in geeigneter Weise bekanntzugeben, um unseren Kaufleuten die ernsten Folgen zu ersparen, die sich sonst ergeben würden. Am Sonnabend stand der Talgmarkt eine ganze Kleinigkeit unter den Preisen vom Freitag. Es ist wahrscheinlich, daß unsere Preise ohne den von uns erwähnten Artikel im 'Economist' heute als Folge der Nachrichten aus Sewastopol gesunken wären, da die Meinung herrscht, daß der Fall dieser bedeutenden Festung den Kaiser wahrscheinlich zum Nachgeben zwingen wird. Wir sind gerade entgegengesetzter Meinung, daß nämlich die bewußte Katastrophe nur dazu geeignet ist, die Erbitterung des Zaren zu schüren und ihn zu veranlassen, in anderer Richtung Revanche zu suchen. Es ist völlig sicher, daß, solange er nicht gezwungen ist, aus seinen eigenen großen Städten zu fliehen, er sich nicht als völlig geschlagen betrachten wird, und es steht für ihn zuviel auf dem Spiel, als daß er nachgeben würde, ehe er zum alleräußersten getrieben wird. Deshalb betrachten wir diesen Krieg als einen Krieg, der sich viele Jahre hinziehen kann, wenn nicht der Kurs eingeschlagen wird, den die Alliierten nach Meinung des 'Economist' einzuschlagen beabsichtigen."