Seitenzahlen verweisen auf: Karl Marx/ Friedrich Engels - Werke. (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Band 1
. Berlin/DDR. 19»Präventiv- oder
Repressivmaßregeln, Zensur oder Preßgesetz, das sei es, worum es sich
allein handle, wobei es jedoch nicht unzweckmäßig wäre, die
Gefahren etwas näher ins Auge zu fassen, welche auf der einen oder auf der anderen Seite beseitigt werden
müßten. Während die Zensur dem Übel
vorbeugen wolle, wolle das Preßgesetz die
Wiederholung durch Strafe verhüten.
Unvollkommen, wie jede menschliche Einrichtung, würden beide bleiben; welche am
wenigsten, das sei hier die Frage. Da es sich um rein geistige Dinge handle, so würde
eine Aufgabe, und zwar die wichtigste bei beiden, nie zu lösen sein. Es sei die, eine Form zu finden, welche die Absicht des Gesetzgebers so klar und bestimmt ausdrücke, daß Recht und Unrecht scharf getrennt und
jede Willkür beseitigt erscheine. Was ist aber
Willkür anderes als Handeln nach
individueller Auffassung? Und wie sind die Wirkungen individueller Auffassungen zu beseitigen, da wo es sich um rein geistige Dinge handelt? Eine Richtschnur zu finden, so scharf gezeichnet, daß sie die Notwendigkeit in sich trage, sie in jedem
einzelnen Falle im Sinne des Gesetzgebers
anwenden zu müssen, das sei der Stein der Weisen, der bis dahin nicht gefunden wurde und auch schwerlich zu finden sein dürfte; und somit sei die
Willkür, wenn man das Handeln nach individueller Auffassung hierunter verstehe, von Zensur wie von
Preßgesetz unzertrennlich. Wir hätten also beide in ihrer notwendigen Unvollkommenheit und in deren Folgen zu betrachten. Wenn die Zensur manches Gute unterdrücken werde, so werde das Preßgesetz vieles Böse zu verhindern nicht imstande sein. Doch die Wahrheit lasse sich auf die Dauer nicht unterdrücken. Je mehr Hindernisse ihr in den Weg gelegt würden, um desto kühner verfolge sie ihr Ziel, um desto geläuterter erreiche sie dasselbe. Aber das böse Wort gleiche dem
griechischen Feuer, unaufhaltbar, nachdem es das Wurfgeschoß verlassen, unberechenbar in seinen Wirkungen, weil ihm nichts heilig und unauslöschlich, weil es in dem Munde, wie in dem Herzen der Menschen Nahrung und Fortpflanzung fände.«